Schweiz
Gesellschaft & Politik

Co-Präsidentin Lea Blattner der Jungen EVP tritt wegen Homophobie zurück

Lea Blattner, Co-Praesidentin Junge EVP, Mitte, spricht neben Loa Wild, Vize-Praesidentin Junge GLP, links, bei der Aktion "Ja zur Nationalen Service-Citoyen-Initiative", am Freitag, 10. Okt ...
Lea Blattner (Mitte) outete sich im vergangenen Jahr als lesbisch. Seither hat sie viel Hass erlebt – auch aus ihrer Partei.Bild: KEYSTONE

«Haben Ausmass nicht richtig erkannt» – so äussert sich die EVP nach Homophobie-Vorwürfen

Wegen Drohbriefen, Hasskommentaren und Ablehnung nach ihrem Outing: Die Co-Präsidentin der Jungen EVP zieht die Reissleine und tritt zurück. Die EVP Schweiz verspricht Aufarbeitung.
12.01.2026, 14:3412.01.2026, 14:34

Lea Blattner hat genug. Im vergangenen April outete sich die Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz als lesbisch. An diesem Montagvormittag hat sie ihren Rücktritt angekündigt – neben dem Co-Präsidium tritt sie auch aus dem Parteivorstand der EVP Schweiz und dem Kantonalvorstand der EVP Baselland zurück.

Grund dafür ist die Ablehnung, die ihr seit ihrem Coming-out in der EVP begegnet: «Ich habe viel Hass erfahren», sagt sie gegenüber watson.

«Viele Leute aus der Partei stören sich daran, dass ich offen mit meiner Sexualität umgehe.»
Lea Blattner

Nach ihrem Coming-out hat Blattner auf Social Media diverse Hassnachrichten erhalten. Diese Situation habe sie «erschöpft und in Teilen gebrochen», schreibt sie in einem Statement auf Social Media. Blattner zieht deswegen die Reisslinie. Sie sagt: «Ich bin es mir schuldig, mich zu schützen.»

Drohbriefe im Briefkasten

Besonders getroffen hätten sie jedoch die negativen Reaktionen aus der Parteibasis selbst, die sie unter anderem an Veranstaltungen der EVP zu spüren bekommen habe: «Ich habe gemerkt, dass man mich anders anschaut, vielleicht gar nicht mehr mit mir redet. Oder dass hintendurch getuschelt wurde.»

Im Mai habe sie einen ersten anonymen Drohbrief erhalten. Vergangene Woche lag ein zweiter Brief in ihrem Briefkasten. Dieser liegt watson vor. Blattner möchte den genauen Inhalt nicht öffentlich machen. Der Inhalt lässt darauf schliessen, dass der Absender ihrer Partei angehört – neben Beleidigungen sind darin konkrete Gewaltdrohungen enthalten. Gegen den Urheber des zweiten Briefes will Blattner nun Anzeige erstatten.

Vom Vorstand der Jungen EVP habe sie seit ihrem Coming-out viel Unterstützung und Offenheit erfahren. Die Mutterpartei habe mit der Situation jedoch überfordert gewirkt und sei nach den Drohbriefen zur Tagesordnung übergegangen. «Ich hätte mir gewünscht, dass man innerhalb der Partei Konsequenzen zieht und eine Null-Toleranz-Politik verfolgt», sagt Blattner.

Schliesst Rückkehr nicht aus

Der Rücktritt fällt Blattner schwer. «Ich teile 99 Prozent der Werte dieser Partei.» Sie habe auch viele Freundinnen und Freunde in der EVP. Sie hofft, dass ihr Rücktritt eine Veränderung innerhalb der Partei bewirkt und sich die EVP intern mit dem Thema Queerfeindlichkeit auseinandersetzt:

«Die EVP muss es beim nächsten Mal besser machen, damit ein anderes queeres Parteimitglied nicht mehr dasselbe erleben muss wie ich.»
Lea Blattner

Der formelle Rücktritt findet erst an der Mitgliederversammlung im April statt. Aus der Partei austreten will Blattner vorerst noch nicht. Auch von einer Rückkehr ins Amt will sie nicht ganz absehen: «Wenn die Partei bereit ist, sich zu hinterfragen und an sich zu arbeiten, halte ich es nicht für ausgeschlossen.»

EVP Schweiz nimmt Stellung

Die EVP Schweiz hat sich am Montagnachmittag in einer Stellungnahme zu Lea Blattners Rücktritt geäussert. In einer Medienmitteilung schreibt die Partei, dass sie den Rücktritt bedauere. Auf Anfrage von watson schreibt ein Sprecher der EVP:

«Soweit wir das aktuell einschätzen können, haben wir das Ausmass aufgrund der uns vorliegenden Informationen nicht richtig erkannt.»
EVP Schweiz zu watson

Vom ersten Drohbrief und konkreten homophoben Äusserungen durch EVP-Mitglieder habe die Parteileitung keine Kenntnis gehabt, der zweite Drohbrief liege ihr seit heute Montag vor, schreibt die EVP Schweiz weiter.

Die Partei verurteile die Drohbriefe «aufs Schärfste» und werde ein Ausschlussverfahren einleiten, sollte es sich bei dem Absender oder der Absenderin um ein EVP-Mitglied handeln. Die EVP Schweiz werde Blattner ausserdem in rechtlichen Schritten unterstützen.

«Die EVP wird die Situation aufarbeiten, mit dem Ziel, künftig sicherzustellen, dass sich alle Mitglieder in der EVP respektiert und sicher fühlen können», heisst es in der Mitteilung weiter.

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333 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Schlaf
12.01.2026 11:21registriert Oktober 2019
Ja die gottesfürchtigen Evangelikale, leben auch hier in einem harten Widerspruch, mit Nächstenliebe und dem lieben Gott.
Die wollen mit ihrer Denke im Mittelalter bleiben.
Glauben doch auch alle noch, dass Masturbieren blind macht🙄
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Lektor1956
12.01.2026 11:22registriert Juni 2023
„Liebe deinen Nächsten so wie dich selbst“! Diese Lebensweisheit wird in erster Linie durch religiöse Gemeinschaften gepredigt. Aber nur, bis viele von denen persönlich gefordert werden - dann kommt Hass ins Spiel. Diese widerwärtige Scheinheiligkeit hat dannzumal meinen Kirchenaustritt massiv beeinflusst.
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Knoudi
12.01.2026 11:19registriert Juni 2020
Lesbisch und EVP passt so gut zusammen wie Trump und den Nobelpreis. Gut ist sie da weg
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