«Haben Ausmass nicht richtig erkannt» – so äussert sich die EVP nach Homophobie-Vorwürfen
Lea Blattner hat genug. Im vergangenen April outete sich die Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz als lesbisch. An diesem Montagvormittag hat sie ihren Rücktritt angekündigt – neben dem Co-Präsidium tritt sie auch aus dem Parteivorstand der EVP Schweiz und dem Kantonalvorstand der EVP Baselland zurück.
Grund dafür ist die Ablehnung, die ihr seit ihrem Coming-out in der EVP begegnet: «Ich habe viel Hass erfahren», sagt sie gegenüber watson.
Nach ihrem Coming-out hat Blattner auf Social Media diverse Hassnachrichten erhalten. Diese Situation habe sie «erschöpft und in Teilen gebrochen», schreibt sie in einem Statement auf Social Media. Blattner zieht deswegen die Reisslinie. Sie sagt: «Ich bin es mir schuldig, mich zu schützen.»
Drohbriefe im Briefkasten
Besonders getroffen hätten sie jedoch die negativen Reaktionen aus der Parteibasis selbst, die sie unter anderem an Veranstaltungen der EVP zu spüren bekommen habe: «Ich habe gemerkt, dass man mich anders anschaut, vielleicht gar nicht mehr mit mir redet. Oder dass hintendurch getuschelt wurde.»
Im Mai habe sie einen ersten anonymen Drohbrief erhalten. Vergangene Woche lag ein zweiter Brief in ihrem Briefkasten. Dieser liegt watson vor. Blattner möchte den genauen Inhalt nicht öffentlich machen. Der Inhalt lässt darauf schliessen, dass der Absender ihrer Partei angehört – neben Beleidigungen sind darin konkrete Gewaltdrohungen enthalten. Gegen den Urheber des zweiten Briefes will Blattner nun Anzeige erstatten.
Vom Vorstand der Jungen EVP habe sie seit ihrem Coming-out viel Unterstützung und Offenheit erfahren. Die Mutterpartei habe mit der Situation jedoch überfordert gewirkt und sei nach den Drohbriefen zur Tagesordnung übergegangen. «Ich hätte mir gewünscht, dass man innerhalb der Partei Konsequenzen zieht und eine Null-Toleranz-Politik verfolgt», sagt Blattner.
Schliesst Rückkehr nicht aus
Der Rücktritt fällt Blattner schwer. «Ich teile 99 Prozent der Werte dieser Partei.» Sie habe auch viele Freundinnen und Freunde in der EVP. Sie hofft, dass ihr Rücktritt eine Veränderung innerhalb der Partei bewirkt und sich die EVP intern mit dem Thema Queerfeindlichkeit auseinandersetzt:
Der formelle Rücktritt findet erst an der Mitgliederversammlung im April statt. Aus der Partei austreten will Blattner vorerst noch nicht. Auch von einer Rückkehr ins Amt will sie nicht ganz absehen: «Wenn die Partei bereit ist, sich zu hinterfragen und an sich zu arbeiten, halte ich es nicht für ausgeschlossen.»
EVP Schweiz nimmt Stellung
Die EVP Schweiz hat sich am Montagnachmittag in einer Stellungnahme zu Lea Blattners Rücktritt geäussert. In einer Medienmitteilung schreibt die Partei, dass sie den Rücktritt bedauere. Auf Anfrage von watson schreibt ein Sprecher der EVP:
Vom ersten Drohbrief und konkreten homophoben Äusserungen durch EVP-Mitglieder habe die Parteileitung keine Kenntnis gehabt, der zweite Drohbrief liege ihr seit heute Montag vor, schreibt die EVP Schweiz weiter.
Die Partei verurteile die Drohbriefe «aufs Schärfste» und werde ein Ausschlussverfahren einleiten, sollte es sich bei dem Absender oder der Absenderin um ein EVP-Mitglied handeln. Die EVP Schweiz werde Blattner ausserdem in rechtlichen Schritten unterstützen.
«Die EVP wird die Situation aufarbeiten, mit dem Ziel, künftig sicherzustellen, dass sich alle Mitglieder in der EVP respektiert und sicher fühlen können», heisst es in der Mitteilung weiter.
